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Hundertwasser-Architekturprojekt Bahnhof Uelzen

Teil des Projekts Bahnhof 2000 Uelzen - Ein registriertes Projekt der Weltausstellung EXPO 2000

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Das Hundertwasser-Architekturprojekt ist Teil eines der bekanntesten EXPO-Projekte außerhalb des Weltausstellungsgeländes. Kaum 40 Inter-Regio-Minuten von der Gastgeberstadt der EXPO 2000 entfernt, entsteht eine einzigartige konzeptionelle und architektonische Umgestaltung eines Bahnhofsgebäudes und seines Umfeldes.

Der einstige "Vorzeige-Bahnhof" der "Königlich Hannöverschen Staatsbahn", damaliger Knotenpunkt zwischen Hamburg und Hannover, Bremen und Berlin, war mit der Zeit in einen stark vernachlässigten Zustand geraten: Häßliche Anbauten, ein liebloser Vorplatz und eine verunstaltende Innenarchitektur prägten seit Jahrzehnten das Bahnhofsbild.

Unter dem vielsagenden Titel "Nebel, Geister, Hunger und Durst" beschrieb die Frankfurter Rundschau in ihrer Silvester-Ausgabe 1994 einen Aufenthalt im Uelzener Bahnhof. Das Maß war voll, befanden drei lokale Politiker und entwickelten ein Sanierungskonzept, das vor Ort nur Kopfschütteln oder ungläubiges Lächeln auslöste. Für große Projekte fühlten sich die meisten Uelzener doch etwas zu klein. Die Ausrichtung des Tages der Niedersachsen, das hatte sich die Stadt schon mal zugetraut. An die Weltausstellung wollten die Offiziellen nicht so recht ran.

So gründeten ein rot-schwarz-grünes Politiktrio (Jacques Voigtländer, SPD, Klaus Schlademann, CDU, Raimund Nowak, GRUENE) mit der Unterstützung der Deutschen Bahn AG und einiger Helfer aus der heimischen Geschäftswelt eine Projektgruppe und beteiligten sich am dezentralen Programm der Weltausstellung EXPO 2000.

Was wenige erwarteten, die Sache ging erfolgreich aus. Die Jury der EXPO-Gesellschaft fand Gefallen an dem innovativen Konzept zur Sanierung eines "Kleinen Fernbahnhofs". Für die ganz großen Bahnhöfe hat die DB AG ja längst ansprechende Lösungen gefunden. Aber was macht man aus den vielen Bahnhöfen von der Größe Uelzens?

Städtebauliche Aspekte verbieten meist den Abriß. Marktwirtschaftliche Zwänge verwehren die Aufwertung zum Reise- und Shoppingcenter. Früher waren Bahnhöfe die erste Adresse der Stadt. In kleineren Städten liegen die Eisenbahnstationen nun oft am Rande der Innenstadt. Weder die DB AG noch die betroffenen Kommunen verfügen in der Regel über die Mittel, um diese Bahnstationen wieder in einen guten Zustand zu bringen.

Kooperation und Innovation sind hier die Lösungsbegriffe, mit dem das Projekt Bahnhof 2000 Uelzen operiert. Das Konzept besteht aus vier Projektteilen:

A. Rail & SUN

Als Startvorhaben vor auf dem Bahnhofsdach eine 720 qm Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 73 KWp installiert. Ein Gemeinschaftsprojekt der DB AG mit den Stadtwerken Uelzen. Begleitet von der Niedersächsischen Energieagentur und dem Solarforschungsinstitut Hameln. Diese Anlage arbeitet seit 1997 und ist die effizienteste Anlage Norddeutschlands.

Bei dem weiteren Umbau werden jetzt transparente Module in den Bahnsteigdächern eingebaut. Am Ende sollen dann mal 100 KWp als Leistung installiert sein. Das Land Niedersachsen trägt fast die Hälfte der Investitionskosten. Im Bahnhof Uelzen hat sich die DB AG erstmals im großen Stil in der Fotovoltaiktechnologie engagiert. Der Einsatz von Fotovoltaikmodulen könnte zu einer Standardvariante bei Bahnhofssanierungen werden.

B. Mobilzentrale

Der Bahnhof soll wieder zentraler Ort des Reisens werden. Zu diesem Zweck wird die intelligente Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsträger gefördert. Die Stadt Uelzen unternimmt eine grundlegende Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes. Der völlig desolate Vorplatz wird saniert, neue Fahrradabstellmöglichkeiten geschaffen und der Busverkehr an das Gebäude herangeführt. Mobiltäts- und Tourismusberatung sollen folgen.

C. Neues Stadtquartier Achterbahn

Auf den im Umfeld des Bahnhofs brachfallenden Gleisflächen soll in den nächsten Jahren ein neues zentrumsnahes Stadtquartier entstehen. Der Bahnhofsbereich erfährt dadurch eine weitere städtebauliche Aufwertung. Ein städtebauliches Rahmenkonzept wurde vom Hamburger Stadtplaner Prof. Wolfgang Stabenow entwickelt.

D. Hundertwasser Architekturprojekt

Das Konzept Bahnhof 2000 Uelzen ist ökologisch ambitioniert und sieht eine Nutzung des Gebäudes für kulturelle Veranstaltungen vor.

Ökologie und Kultur - welcher Baumeister hätte dies in den letzten Jahren besser verbunden als Friedensreich Hundertwasser?

Das vorliegende Modell übertrifft die ursprünglichen Planungen. Die historische Bauhülle wird wiederhergestellt und durch Hundertwasser-typische Stilelemente und durch An- und Umbauten auf den Bahnsteigen ergänzt. Eine Glaskuppel läßt mehr Tageslicht zu, Bahnhofstunnel und Treppenaufgänge bekommen eine attraktive Optik.

Im Gebäude werden neue Flächen für Läden und Gastronomie erschlossen. Im zweiten Stock wird ein Tagungszentrum entstehen. Kulturelle Aktivitäten sollen den Bahnhof zum dauerhaften Anziehungspunkt machen.

Finanzen und Förderer

Nach dem Motto "gute Projekte finden auch ihre Finanzierung" lotete die Projektgruppe viele Finanzierungsmöglichkeiten aus. Ohne das starke Engagement der DB Station & Service AG (der Bahnhofsteil der DB-Gruppe) wäre der Bahnhof 2000 Uelzen natürlich nie auf das richtige Gleis gekommen. Das damalige Vorstandsmitglied Martin Lepper war von Anbeginn ein Förderer. Die Niederlassung Niedersachsen-Bremen, mit den Leitenden Sabine Nowas-Herschel und Peter Hörnschemeyer, ist für die Umsetzung des Hundertwasser-Architekturprojektes zuständig.

Am Ende wird das Gesamtprojekt (ohne AchterBahn) wohl um die 20 Mio. DM kosten. Davon trägt das Land Niedersachsen einen beachtlichen Anteil. Bei der Fotovoltaikanlage leistete der Wirtschaftsminister einen Zuschuß von 600.000 DM für das 1,1 Mio. DM teure Sonnenkraftwerk. Ab September 1998 machte der damalige Ministerpräsident Gerhard Glogowski den Bahnhof 2000 Uelzen auch zu seinem Projekt. Gute 5 Mio. DM fließen aus dem Landesetat nach Uelzen. Die örtlichen Gebietskörperschaften Stadt und Landkreis beteiligen sich mit jeweils 0,5 Mio. DM am Hundertwasser-Architekturprojekt. Die Stadt Uelzen finanziert außerdem 25% der ca 1,5 Mio. DM teuren Vorplatzgestaltung. Nennenswerte Unterstützung kommt weiterhin von der Niedersächsischen Lotto-Stiftung und den Stiftungen der Niedersächsischen Sparkassen. Das Bundesumweltministerium prüft derzeit die Förderfähigkeit des Projekts.

 

 
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